22. Juni 2019

Aggressive Kinder durch Gummibärchen?

Gewalttätig wegen Süssigkeiten

Englische Forscher sehen Zusammenhang zwischen Süßigkeiten und Gewalttätigkeit

Kinder, die jeden Tag Schokolade und andere Süßigkeiten essen, werden als Erwachsene eher gewalttätig, so das Ergebnis einer von der Cardiff University (http://www.cardiff.ac.uk) durchgeführten Untersuchung. Dürfen unsere Kindern nun ab sofort nicht mehr naschen, weil zu viel Süßes nicht nur ungesund ist, sondern auch langfristig aggressiv macht?

Gewalttätig wegen Süssigkeiten Mit der Auswertung einer Erhebung aus dem Jahr 1970, für die Daten von 17.500 Personen vorlagen, ergab sich nämlich, dass die damals Zehnjährigen, die täglich Süßigkeiten konsumierten, im Alter von 34 Jahren deutlich öfter wegen Gewaltdelikten verurteilt wurden als diejenigen, die weniger Süßes aßen.

Das Team um Simon Moore vermutet als Ursache, dass die Delinquenten es nie gelernt hätten, auf eine Belohnung zu warten. Sie wurden also, banal gesagt, zu sehr verwöhnt. Der Zusammenhang blieb auch bestehen, als andere Faktoren wie beispielsweise die Erziehung oder das Verhalten der Eltern, der Ort, an dem sie aufgewachsen waren, eine mangelnde schulische Ausbildung nach dem 16. Lebensjahr oder der Besitz eines Autos als Erwachsener berücksichtigt wurden. In der Vergleichsgruppe der 34-Jährigen, die als „nicht gewalttätig“ eingestuft worden waren, hatten sich hingegen lediglich 42 Prozent als Kinder derart süß ernährt. Andere Experten wie Alan Maryon-Davis von der UK Faculty of Public Health argumentieren, dass sogenannte schwierige Kinder mehr Süßigkeiten bekommen dürften, weil ihre Eltern sie damit „ruhigstellen“ wollten.

Süßigkeiten einschränken

Es gibt viele Gründe, den Konsum von Süßigkeiten bei Kindern einzuschränken. Ein Zuviel davon erhöht das Risiko für Stoffwechselstörungen und Fettleibigkeit und schädigt die Zähne. Außerdem gibt es Hinweise, dass Zusatzstoffe, wie teilweise der Zucker selbst, Hyperaktivität fördern können (Studie, The Lancet, 2007).

Das Problem bei dieser schon seit Jahren geführten Diskussion ist die auch in der aktuellen Untersuchung unklare Ursache-Wirkung-Relation. Denn einerseits kann gerade Saccharose viele Menschen unkonzentriert, unruhig und teilweise auch aggressiv machen. Andererseits ist der Konsum von Süßigkeiten bei den meisten Menschen der Versuch, auf diese Weise ein Defizit am wichtigen Gehirnbotenstoff Serotonin (kurzfristig) auszugleichen. Serotoninmangel macht aggressiv und unzufrieden. Viele Frauen spüren das übrigens monatlich am eigenen Leib. Denn das Hormon Estradiol unterstützt die Serotoninproduktion aus der in der Nahrung enthaltenen Aminosäure Tryptophan. Bei einem zyklusbedingten Abfall des Estradiols kann es entsprechend zu Serotoninmangel kommen.
Ein anderer Grund für einen Serotoninmangel kann in einer unzureichenden Aufnahme der Vorstufe Tryptophan liegen. Tryptophan ist vor allem in proteinreichen Lebensmitteln enthalten.

Quellen:
S.C. Moore et al.: Confectionary consumption in childhood and adult violence. British Journal of Psy-chiatry, BJPsych, October 2009 v. 195, p. 366-367 (http://bjp.rcpsych.org/cgi/content/abstract/195/4/366)
www.cls.ioe.ac.uk
McCann D et al.: Food additives and hyperactive behaviour in 3-year-old and 8/9-year-old children in the community: A randomised, double-blinded, placebo-controlled trial. Lancet 2007 Nov 3; 370:1560. ( www.ncbi.nlm.nih.gov/)

Quelle: dgk