2. März 2021

Zwischen Tradition und Konsum: Ostern ist ein buntes Fest

Osterbaum

Gefärbte Eier von Gabenlawine inzwischen überrollt

Von dtd-Korrespondentin Dr. Christa Wüchner

Ab ins Körbchen mit dem Eiersegen, Kiepe aufgehuckt und gemütlich loshoppeln, um die bunte Überraschung in den Gärten zu verstecken: So idyllisch ist das Osterhasendasein nur in alten Kinderbüchern. Würde Meister Lampe wirklich die Geschenke bringen, hätte er heute einen Knochenjob.

OsterbaumGefärbte Eier gehören nach wie vor zum Fest, doch als Geschenk sind sie längst überholt. Seit rund 20, 30 Jahren rollen an Ostern sogar wahre Gabenlawinen. Dabei fing es ganz harmlos an. Als das kirchliche Hochfest im 19. Jahrhunderts mehr und mehr zum bürgerlichen Familienfest mit Kinderbescherung „verweltlichte“, erweiterte sich das Geschenkeregister zunächst nur um Süßigkeiten. In den Osternestern lagen nun auch Schokoladen- und Marzipaneier, gekrönt von Hasenfiguren aus Schokolade oder Zucker.

Das war ja noch zu schultern, einschließlich kleiner Extras wie Plüschhasen, Bilder- oder Malbücher, Armbanduhren. Aber Fahrrad, Spielekonsole, Computer und andere inzwischen übliche aufwändige Präsente? Für solche Lieferungen wären Kräfte nötig, die weit über das Osterhasen-Mögliche hinausgehen. Genauer gesagt, über das Kaninchen-Mögliche. Die kürzeren Löffel und rundlichen Formen moderner Schokoladen- und Stoffhasen lassen keinen Zweifel: Der Osterhase heißt hierzulande zwar noch „Hase“, ist aber kein Feldhase mehr, sondern ein Kaninchen. In den USA, wo das schon immer so war, nennt man ihn daher „Easterbunny“.

Der „Easterbunny“.

Egal, was den Siegeszug des „Bunny“ in unseren Breiten ausgelöst haben mag: Das neue Oster-Kuschelsymbol, das in unzähligen Spielarten Schaufenster, Supermärkte und Werbung bevölkert, ist wie sein lebendiges Vorbild ein hoppelnder Appell ans Gefühl. Und lässt die Kassen klingeln, weil eine emotionale Aura innere Kaufbarrieren bekanntlich besonders effektiv aufweicht. Wie effektiv, lässt ein Motto ahnen, mit dem die Kirche bereits Anfang der 1970er Jahre zur Rückbesinnung auf die christlichen Wurzeln des Fests aufgerufen hatte: „Ostern ist mehr als Eier“.

Angesichts heutiger Kommerzialisierungstendenzen klingt das aktuell wie nie. Denn Hausputz und Einkaufsstress, Geschenkemarathon und zweitägige Tafeleien, die dem von süßen Genüssen strapazierten Verdauungstrakt den Rest geben: Das kann’s doch nicht sein. Nur, was lässt sich daran ändern? Einiges, wenn man die Initiative ergreift um das Fest so zu gestalten, dass es nicht einer Frühjahrsvariante des Weihnachtsrummels gleicht. {module Google quer 468×60 modul text}

Rückbesinnung auf die Osterbotschaft

(dtd). Für praktizierende Christen bildet das Heilsgeschehen um Kreuzestod und Auferstehung ohnehin den Mittel- und Höhepunkt des österlichen Festkreises. Gottesdienste und religiöse Bräuche wie die Speiseweihe erfüllen diese besondere Zeit mit Sinn und Glanz. Vielleicht eine Anregung, sich selbst wieder intensiver mit der Osterbotschaft auseinanderzusetzen. Bunte Eier

Wer Ostern vor allem als Jahreszeiten- und Familienfest versteht, kann ebenfalls eingefahrene Gleise verlassen und frischen Wind in die Feiertage bringen. Eine ergiebige Quelle dafür sind alte Volksbräuche, denen man zum Beispiel im Internet auf die Spur kommt. Dort gibt es Portale, die über alle Feste im Jahreskreis und ihr Brauchtum informieren, Sites zu einzelnen wichtigen Festen und nette Feste-Seiten für Kinder mit vielen Infos und tollen Tipps. Noch spannender wird’s, wenn Eltern und Großeltern in ihren Erinnerungen nach „Oster-Schätzen“ kramen und man anschließend gemeinsam überlegt, was davon das Fest bereichern könnte.

Uralte Bräuche von Ei-Ausblasen bis Osterstrauß

Warum den Osterstrauß nicht wie früher mit ausgeblasenen, selbst bemalten Eiern behängen statt mit gekauftem Schmuck? Gebastelte Dekorationen verleihen dem Ostertisch eine pfiffige Note, auch ältere Backrezepte bieten oft hübsche Deko-Ideen – von Hefekränzchen, in deren Mitte ein buntes Ei passt, bis zum Osterlamm aus Biskuit. Sind Oma und Opa auf dem Land groß geworden, erinnern sie sich möglicherweise an alte Eierspiele, die sich auch für den Spiele-Nachmittag im Garten eignen.

Fotos: djd/Bilderbox

Oder sie haben damals von einem uralten Brauch gehört, der das schöne Geschlecht noch schöner macht: das Osterwasser. In der Osternacht aus Quelle oder Bach geschöpft, soll dieses Nass heilsame Kräfte entfalten und den Teint glätten. Alles Aberglaube? Mag sein. Doch man muss nicht wundergläubig sein, um einen nächtlichen Gang durch die Natur als außergewöhnliche spirituelle Erfahrung zu erleben. Nicht geheimnisvoll, aber gesund ist ein Spaziergang oder eine kleine Radtour nach dem Festschmaus. Apropos: Es kann sich lohnen, von kulinarischen Familien- oder regionalen Traditionen abzuweichen und beispielsweise ein delikates Fischgericht auf den Tisch zu zaubern. Das macht weniger Arbeit – und schont Figur und Magen. Auch zum Nachtisch oder Kaffee müssen keine klassischen Kalorienbomben wie die Ostertorte mit Sahne- oder Cremefüllung aufgetischt werden. Schlankere Desserts und Kuchen schmecken genauso fein.

Wie der Osterhase zu seinem Job kam

(dtd). Im Mittelpunkt von Ostern steht das zentrale christliche Heilsgeschehen: die Auferstehung des am Kreuz gestorbenen Jesus. Tiere spielten in religiösen Ostertraditionen durchaus eine Rolle. So wurde in manchen Gegenden Deutschlands bei der Palmsonntags-Prozession ein hölzerner Palmesel mitgeführt, weil Jesus auf einem Esel Einzug in Jersualem gehalten hatte.

Das mit einem Siegesfähnchen geschmückte Osterlamm aus Biskuit symbolisiert sogar den geopferten und auferstandenen Erlöser. Der Eier bringende Hase dagegen kam erst über weltliche Seitenpfade ins Spiel. Vermutlich hatte aber eine alte Fasten-Regel den Stein – oder besser: das Ei – ins Rollen gebracht. In früheren Jahrhunderten war während der vorösterlichen Fastenperiode der Verzehr von Eiern untersagt, sie durften erst wieder an Ostern gegessen werden. Da Eier im Mittelalter zudem Osterspende für den Pfarrer waren und seit vorchristlicher Zeit Lebenskraft und -erneuerung symbolisierten, verbanden sich alte und neue Bedeutung bald im bunten Osterei, um das sich viele Bräuche rankten – auch die Sitte, solche Eier zu verschenken.

Eierverzehr war während der Fastenzeit verboten

Die Legende, der heimische Feldhase lege und bringe die Ostereier, wird 1682 erstmals schriftlich erwähnt. Möglicher Hintergrund: Die Hasen paaren sich im Frühjahr und galten schon in der Antike als Symbol für Sinnlichkeit und Fruchtbarkeit. Das würde zwar zum Frühlingstermin von Ostern passen, brachte sie aber im Christentum in Verruf. Mit einer Ausnahme. Seit dem Mittelalter ist ein Dreifaltigkeitssymbol belegt, das auch auf Ostereiern auftauchte: drei in Kreisform angeordnete Hasen, deren Ohren ineinander übergehen. Das Dreihasenmotiv auf Ostereiern könnte zum Fehlschluss geführt haben, der Hase sei der Eierlieferant. Allerdings musste sich Meister Lampe diese Ehre mit Henne, Hahn, Fuchs und anderen Tieren teilen, die in deutschen Regionen als Eierbringer unterwegs waren. Erst als Ostern im 19. Jahrhundert Züge eines bürgerlichen Familienfestes annahm, wurde der Osterhase überall populär – nicht zuletzt dank der süßen Schoko-Hasen, die gegen Ende des Jahrhunderts ebenso in Mode kamen wie Osterhasen-Kinderbücher und Ostergrußkarten mit Hasenmotiven.

Tipps für die leichte Osterküche

(dtd). Weihnachten gilt als Kalorienfalle des Jahres, doch auch an Ostern wird Üppiges aufgetischt und viel genascht. Wozu gibt es schließlich die leckeren Schokoladen- und Marzipaneier, creme- und sahnestrotzenden Desserts und Torten? Um Magenbeschwerden und überflüssigen Pfunden vorzubeugen, lohnt es sich daher, einmal über den Rand der traditionellen Kochtöpfe zu schauen und leichte Genüsse zu servieren. Dass die moderne Osterküche ein Fest für den Gaumen sein kann, zeigen delikate Fischgerichte mit Reis oder Linsen. Beide Beilagen bringen nicht nur den feinen Fischgeschmack besonders gut zur Geltung, sie liefern auch wertvolle Nährstoffe. Schlemmereien zum Nachtisch, Gebäck und die geliebte Tasse Kaffee lassen sich mühelos mit Streusüße oder flüssigem Süßstoff verschlanken. Wer dann noch die Speisekarte mit Frühlingsgemüsen und Kräutern „begrünt“ und für Desserts oder Tortenfüllungen Jogurt statt Sahne verwendet, kann die Feiertage auch kulinarisch entspannt genießen.

Lecker Kalorien sparen

(dtd). Süßstoff verschlankt nicht nur jede Tasse Kaffee oder Tee. Auch für Desserts und Feingebäck aus Hefe-, Knet-, Mürbe- und Brandteig kann man statt Zucker Süßstoffe verwenden. Süßstoffe sind sehr vielseitig zu verwenden – aber zugegeben, sie können nicht alles, was Zucker kann: Aufgrund ihrer geringen Masse erreichen sie nicht die “Bindewirkung” und das Volumen von Zucker. Deshalb gelingt mit ihnen zum Beispiel nicht jeder Kuchenteig gleichermaßen gut. Problemlos ist die Zubereitung von Mürbe-, Hefe-, Quark-, Öl- und Strudelteig. Alle Füllungen dieser Teige (z.B. Quark- oder Obstfüllungen) können Sie ebenfalls ohne weiteres mit Süßstoff süßen. Bei Rühr- und Bisquitteigen ist es sehr wichtig, daß Sie diese sehr gut aufgeschlagen und zusätzlich etwas mehr Wasser – am besten Mineralwasser – dazugegeben, damit diese schön locker werden. Um Biskuitteig besser zu stabilisieren, ist es sinnvoll, etwas Fruchtzucker zusätzlich zu verwenden. In Backrezepten sollten Sie beim Ersetzen von Zucker durch Fruchtzucker darauf achten, dass die Backtemperatur um 10 bis 20 Grad niedriger gewählt wird als in Rezepten für mit Zucker gesüßte Backwaren angegeben. Sie sollten den Kuchen dafür etwas länger im Backofen lassen. Wählt man zu hohe Temperaturen, wird der Kuchen eventuell zu dunkel.

Bunte Reiseüberraschungen

(dtd). Wenn der Osterhase Reiseüberraschungen plant, soll es etwas Besonderes sein – zum Beispiel ein Traumurlaub im märchenhaften Oman. Ebenso große Freude bereiten oft kleinere liebevoll gewählte Geschenke. Eine nette Idee ist etwa ein Ausflug oder Kurzurlaub mit Osterbrunnen-Hopping in der Fränkischen Schweiz oder Mainfranken. Dort sind im April viele Dorfbrunnen mit bunten Eiergirlanden geschmückt. Wo Schokolade und Kakao herkommen, erfahren Süßschnäbel bei einem Trip in die Hauptstadt, wo die „Schokowelt“ am Gendarmenmarkt zu genüsslichen Expeditionen einlädt. Für den etwas anderen Urlaub zu zweit oder mit der Familie bieten sich Landschafts- und Wanderparadiese wie das österreichische Waldviertel oder der norddeutsche Naturpark Wildeshauser Geest an, während Reisen ins sonnige Meran wie geschaffen sind, um lieben Menschen eine Nase voll Frühling zu schenken. Denn in den nahen Gärten von Schloss Trauttmannsdorff lockt ein betörend duftendes Blütenmeer. osterschokolade

Tipps für den gestressten Osterhasen

(dtd). Den gestressten Osterhasen entlastet ein bewährter Weihnachtstipp: Geschenke gibt es nur für den Nachwuchs, die Erwachsenen schenken sich nichts oder allenfalls Kleinigkeiten. Was von beidem, sollte abgesprochen werden, um Enttäuschungen vorzubeugen. Aus demselben Grund empfiehlt es sich, größere Kinder nach ihren Wünschen zu fragen. Dabei dürfen Eltern auch mal „Stopp“ sagen und erklären, warum teure Markenklamotten, Pony, Moped oder ein neuer PC das Budget übersteigen. Eine Alternative zum Herkömmlichen sind Geschenke, die der ganzen Familie beziehungsweise beiden Partnern Freude bereiten. Da es hier vor allem auf Einfallsreichtum und persönliche Zuwendung ankommt, sind solchen Ideen kaum Grenzen gesetzt: Die Skala reicht von selbst gestalteten Gutscheinen für Eltern-Kinder-Unternehmungen bis zum Candlelight-Dinner.

Foto: djd/Ferrero
Quelle: djd